Ego oder Selbst

Ein Weg der Unterscheidung
Textbeitrag

Ego oder Selbst

Ein Weg der Unterscheidung

Zwei Wege boten sich mir dar und ich nahm den, der weniger betreten war.” W. Whitman

Immer wieder führt uns das Leben an Weg-Kreuzungen, wo wir vor dieser bewussten Ent-scheidung stehen. Nehmen wir den ausgetretenen Weg des Egos oder den weit weniger begangenen Pfad des Selbst. Die Kriterien die wir in die Waagschale werfen können, sind einfach festzumachen:

Der Weg des Selbst

Der Weg des Selbst ist der Weg des Unbekannten und der Unberechenbarkeit. Es ist der Weg, der uns in und durch das Dickicht des Bewussteins führt. Es ist der Weg der Wildheit, der Schönheit, der Sinnlichkeit und Erotik, der Weg der Liebe und Poesie, der wir dann in allen Nuancen begegnen dürfen. Der Weg des Selbst ist der Weg vom Jetzt ins Jetzt, von Moment zu Moment, es ist der Weg auf dem wir immer nur den nächsten Schritt im Fokus haben und genau daraus entsteht dieser enorme Spielraum, ein Weg der uns zu gänzlich neuen Lösungen führt – Lösungen, die wir uns im Vorhinein niemals ausdenken könnten.

Der Weg des Selbst ist der Weg der frei fließenden Wahrnehmung. Da dieser Weg seiner Natur nach, aus reiner Präsenz besteht, gibt es auf ihm kein Kalkül und keine berechenbaren Resultate. Es ist der Weg der Überraschungen und Zufälle, der Weg der Spontaneität und ein Weg zur tiefstmöglichen Selbstliebe. Alles was uns auf diesem Weg begegnet, ist ein Aspekt, ein Ausdruck von uns selbst, und so verlieben wir uns immer mehr in den Weg selbst, in seine Verschlungenheit, in seine Abgründe, in seine steil aufgragenden Hänge, die mal kahl, mal dicht bewaldet uns begleiten. Hier ist nichts wiederholbar, nichts reproduzierbar, es ist das Ende aller Vorstellungen und die fortwährende Erneuerung unserer Wahrnehmung, die uns aus der Frische und Kühle der unversiegbaren Quelle durchstrahlt. Hier werden wir eins mit dem Weg, weil uns der Weg an die Grenzen unserer Belastbarkeit bringt: aber es ist eine gesunde und maßvolle Grenze, eine Grenze die unser Wachstum und unsere Entfaltung fördert und uns permanent auf den Prüfstand der Ehrlichkeit stellt. Mut und Bereitschaft, Risikofreude und Gelassenheit säumen diesen Weg der Selbst-Hingabe. Hier gibt es kein Morgen und kein Bedauern von dem was Gestern war. Alles was uns widerfährt ist Teil unseres Selbst-Erkenntnisprozesses, der uns immer weiter zum tiefsten Sein führt.


Der Weg des Egos

Ganz anders der Weg des Egos. Es ist der Weg der Gewohnheit, ausgetreten und tausendmal gegangen von unzähligen Personen, die sich hier in scheinbarer Sicherheit wiegen. Ein Weg, der dem Herdentrieb folgt. Der Weg des Egos verschmäht die Blüten des Jetzt und verkeilt sich schon nach kurzer Zeit wieder in Gedankentrümmern von Zukunft und Vergangenheit. Es ist der Weg des Anhaftens und Festhaltens, hier müssen wir schweres Gepäck mit uns tragen, weil wir dem Weg selbst misstrauen. Dieser Weg ist gesäumt von scheinbaren Haltegriffen und Orientierungspunkten, von Krücken, die uns helfen sollen über das nächste Bächlein zu springen ohne nass zu werden. Es ist der Weg des Anti-Gefühls und der Anti-Wahrnehmung, weil die Wahrnehmung nur mit sich selbst beschäftigt ist. Dieser Weg führt uns in Schleifen immer wieder zurück zum selben Ausgangspunkt, wo wir wieder und wieder vor der selben Ent-scheidung stehen werden.

Am Weg des Egos begegnen wir der Angst, der Resignation, dem inneren Rückzug, der Verleugnung von innerem Frieden und der Verleugnung des Todes, was dem Leben und seiner Lebendigkeit gleichermaßen den Atem raubt.

Der Weg des Egos kennt nur seine eigene Furcht, es ist die Furcht vor seiner eigenen Berechenbarkeit und Vorhersehbarkeit, vor seinem eigenem Misstrauen allem und jeden und zuallererst sich selbst gegenüber. Deswegen ist es ein Weg des ewigen Hinterherlaufens, das Ziel ist immer nur in Reichweite, aber darf niemals erreicht werden. Es ist ein Weg der falschen Versprechungen und hohlen Vorstellungen, die selbst nach ihrer Erfüllung niemals zu einer wahren Befriedigung führen. Der Weg des Egos ist ein Scheinweg, eine Fata-Morgana, die immer realer wird, je mehr Aufmerksamkeit wir ihr schenken und die wir doch niemals mit unseren Sinnen ertasten und erfühlen können. Der Weg des Egos ist die Weg-Schattenseite des Selbst, die begonnen hat sich zu verselbständigen, die zu eigenem Leben erwacht ist, und sich innerlich wie äußerlich auf ein Leben der Bedingungen, Manipulationen und Vorschriften geeinigt hat.

Die Wegrichtung für die wir uns entscheiden, führt somit zu gänzlich anderen Erfahrungen, denn: was gut ist für dein Selbst, ist schlecht für dein Ego. Was deinem wahren Selbst hilft sich zu entfalten, ist Gift für dein Ego. Was stimmig und richtig ist, für dein wahres Selbst, ist irritierend und falsch für dein Ego. Was dein Selbst liebt und anziehend findet, findet dein Ego hässlich und abstoßend. Womit dein Selbst im Frieden ist, dagegen zieht dein Ego in den Krieg. Was deinem Selbst Freude macht und wo es sich öffnen möchte, überfordert dein Ego maßlos. Wo dein Selbst Befreiung erfährt, zieht sich dein Ego, in sein selbst gebautes Gefängnis zurück.


Unterscheidungsklarheit

Das einzige was wir brauchen um eine sinnvolle Entscheidung treffen zu können, ist der Wille zur Unterscheidung und die dazugehörige Unterscheidungsklarheit. Ohne dem geht es nicht. Ohne Unterscheidungsvermögen fehlt uns jegliche Ausrichtung. Ohne diese Ausrichtung sind wir einzig und allein unserer momentanen Stimmung und Befindlichkeit ausgeliefert und diese wird an eben diesen Weg-Kreuzungen immer Richtung Ego ausfallen: ganz einfach aus dem profanen Grund weil es immer so war, weil wir es nicht anders gewohnt sind und weil alle anderen dasselbe tun. Wir brauchen eine innere Klarheit und Gelassenheit an diesen Abzweigungen und Weg-Kreuzungen des täglichen Lebens, durch die wir bereit sind das unwohle Gefühl durchzustehen welches unweigerlich auftauchen wird. Wir brauchen eine Klarheit im Bewusstsein, die in der Lage ist sich zu sammeln (auch unter widrigsten Umständen!), um sich auf ihr wahres Selbst zu besinnen. Dabei “müssen” wir sehen, dass sich das Selbst niemals aufdrängt, sein Weg scheint nur deswegen so verwildert und schattenüberwachsen, weil er kaum je begangen wird. Dies entledigt uns aber nicht der tiefsten Selbst-Verantwortung, die uns kraft ihrer Natur zu uns selbst zieht. Lassen wir uns von der gesunden Neu-Gier auf uns selbst ziehen und leiten oder leisten wir Widerstand und wenden uns ab.

Die Unterscheidungsklarheit ist der Schlüssel ohne den es keine Ausrichtung gibt. Der Wille und die innere Erlaubnis zur Unterscheidung gibt uns die Kraft alle vermeintlichen Widrigkeiten in Kauf zu nehmen und durchzustehen. Das Ego folgt demnach dem Prinzip, “Schrecken ohne Ende” – wohingegen das Selbst dem Prinzip des “Schreckens mit Ende” folgt. Es mag kurz weh tun, den einen entscheidenden Schritt zu tun, und doch werden wir uns danach unmittelbar in einer neuen Form der Befreiung erfahren. Eine Befreiung die wir uns immer wieder und einzig und allein nur selbst erlauben können – niemals kommt sie von Aussen, niemals kommt sie Morgen oder Übermorgen!

Es ist jene Selbst-Befreiung über die das Ego soviel Scham und Schuld gestülpt hat, dass wir selbst diesen essenziellen Schritt zu uns selbst, als egoistisch erachten werden. Und dies ist der letzte und genialste Trick den das Ego auf Lager hat. Hier endet nicht nur das fiese, unendlich trickreiche Spiel des Egos, sondern auch das schlechte Gewissen, das uns schon seit jeher im Nacken sitzt, wenn wir es wagen, wirklich zu uns selbst zu stehen. Hier verwandelt sich Schuld und Scham in Freude und Fülle und das schlechte Gewissen in Wertschätzung und Dankbarkeit. Es ist zugleich das Ende der selbst inszenierten Ablenkungsmanöver, die uns einnebeln und jede Klarheit abdämpfen. Es ist das Ende der Selbst-Sabotage, und der Selbst-Beschmutzungs-Kampagne durch sorgsam eingepflanzte, verinnerlichte Stimmen und Reaktionsmuster. Je mehr Unterscheidungsklarheit wir gewinnen umso leichter wird es uns fallen schon bei der nächsten Abzweigung den Weg zu nehmen, der uns so sehr anzieht und interessiert. Es wird uns leichter fallen, dem Misstrauen zu misstrauen und dem Vertrauen unser Gehör zu schenken. Es wird uns leichter fallen, den Widerstand gegen alles Schöne und Lebendige in uns aufzugeben und uns in den Lebensreichtum und die Unermesslichkeit der Schöpfung hineinfallen zu lassen.


Retreat Göttliches Heilströmen

Das Gute und Schöne ist: Diese Unterscheidung zwischen Ego und Selbst lässt sich in der Retreat-Prozessarbeit, ganz individuell und lebensnah wahrnehmen. Begünstigt durch ein tiefgreifendes persönliches Erlebnis werden die nächsten Retreats deswegen mehr denn je im Zeichen dieser Unterscheidungsklarheit stehen. Wer die destruktiven Tendenzen von Ego-Mechanismen kennt, wird immer mehr, die innere Not-wendigkeit und den Wunsch verspüren, diese beiden Dynamiken auseinanderzuhalten. Das Ego (NICHT das gesunde Ich!) steht hier für die Summe der abgespaltenen Bewusstseins- und Persönlichkeitsanteile, die in Opposition zum wahren Selbst stehen. Nur durch bewusste Integration, der eine klare Unterscheidung vorausgeht, wird die Kraft und Energie freigesetzt, die die Selbst-Entfaltung ermöglicht und unterstützt.

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